Playbook · Wachstum · Operations

Sales Management Playbook: Routinen, Kennzahlen und Regeln für einen steuerbaren Vertrieb.

Mindestdaten, Stage-Exit-Kriterien, Rollen, eine 30-Minuten-Wochenagenda, monatliche Funnel-Review, Eskalation, Entscheidungsprotokoll, Forecast-Szenarien und ein Vorschlag für die ersten vier Wochen.

Autor
Peak Atlas Redaktion
Lesezeit
ca. 5 Min. · 1.088 Wörter
Zugang
kostenlos, ohne Anmeldung

Worum es geht

Sales Management ist kein Titel, sondern ein Betriebssystem: eine Handvoll Daten, die immer gepflegt sind, ein paar Regeln, die immer gelten, und Routinen, die immer stattfinden – unabhängig davon, wer gerade im Team ist. Dieses Playbook beschreibt dieses System so, dass du es in vier Wochen einführen kannst. Es ist ein Vorschlag, kein Versprechen: Ob es wirkt, zeigt sich an deinen Kennzahlen, nicht an der Einführung.

Das Playbook trennt durchgehend zwei Dinge: Aktivität (was das Team tut) und Wirkung (was daraus wird). Beides wird gemessen, aber nie verwechselt. Viele Anrufe sind Aktivität. Eine Entscheidung des Kunden ist Wirkung.

1. Mindestdaten je Deal

Ohne diese sieben Felder ist ein Deal nicht steuerbar. Alles darüber hinaus ist optional; diese sieben sind Pflicht – und leer bedeutet: Der Deal wird im Review als Erstes besprochen.

Pflichtfelder je Deal
FeldWarumRegel
Unternehmen & AnsprechpartnerWer entscheidet, wer beeinflusstEntscheider namentlich, nicht nur „Einkauf“
StufeWo der Deal stehtNur wechseln, wenn Exit-Kriterium erfüllt
Wert (netto)Größe der ChanceSchätzung erlaubt, Änderung protokollieren
Nächster SchrittWas als Nächstes passiertVerb + Ergebnis, z. B. „Angebot besprechen“
VerantwortlichWer den Schritt tutGenau eine Person
Datum nächster SchrittWannKalendertag, kein „diese Woche“
Letzte KundenreaktionLebt der Deal?Datum der letzten Antwort des Kunden – nicht der eigenen Mail

2. Stage-Exit-Kriterien

Eine Stufe wird nicht verlassen, weil Zeit vergangen ist, sondern weil etwas Überprüfbares passiert ist. Die Kriterien unten sind ein Beispiel für ein vierstufiges B2B-Modell; passe sie an dein Geschäft an, aber halte sie überprüfbar.

Qualifiziert → Bedarf geklärt
Anlass, Entscheider, Zeitrahmen und Budgetrahmen sind vom Kunden bestätigt – nicht vom Vertrieb vermutet.
Bedarf geklärt → Angebot
Der Kunde hat der Lösungsrichtung zugestimmt und einen Termin zur Angebotsbesprechung akzeptiert.
Angebot → Entscheidung
Das Angebot wurde mit dem Entscheider besprochen (nicht nur versendet); Einwände sind dokumentiert.
Entscheidung → Gewonnen / Verloren
Schriftliche Zusage bzw. dokumentierter Verlustgrund aus einer festen Liste. „Preis“ ist nur zulässig, wenn der Kunde ihn genannt hat.

3. Rollen

Deal-Owner
Verantwortet Daten und nächsten Schritt seines Deals. Genau eine Person je Deal.
Sales Manager (intern oder extern)
Verantwortet die Routine: Agenda, Zeit, Entscheidungen, Protokoll. Verkauft nicht selbst in dieser Rolle.
Geschäftsführung
Entscheidet Eskalationen und Ausnahmen (Preis, Konditionen, Ressourcen). Nimmt an der monatlichen Funnel-Review teil, nicht zwingend am Wochenreview.
Datenpflege
Keine eigene Rolle. Wer den Schritt tut, pflegt den Datensatz – am selben Tag.

4. Wöchentliche Deal-Review: 30 Minuten

Die Wochenroutine ist der Kern. Sie findet immer am selben Tag zur selben Zeit statt, dauert 30 Minuten und folgt derselben Agenda. Das ist eine vorgeschlagene Arbeitsroutine – keine Garantie für Ergebnisse. Ihr Wert entsteht durch Wiederholung.

Agenda (Vorschlag)
MinutePunktRegel
0–3Zahlen der WocheVier Kennzahlen, vorbereitet, keine Diskussion
3–8Deals ohne MindestdatenOwner ergänzt live oder der Deal wird geschlossen
8–18Deals ohne Kundenreaktion > 14 TageJe Deal eine Entscheidung: nächster Schritt mit Datum, eskalieren oder schließen
18–25Deals mit Entscheidung in den nächsten 14 TagenWas fehlt dem Kunden zur Entscheidung? Wer besorgt es bis wann?
25–28EskalationenNur Fälle, die Geschäftsführung braucht; alles andere entscheidet das Team
28–30ProtokollEntscheidungen vorlesen, Verantwortliche bestätigen

5. Monatliche Funnel-Review

Einmal im Monat wechselt der Blick vom einzelnen Deal zur Strecke. Grundlage ist eine Kohorte: alle Anfragen eines abgeschlossenen Zeitraums, verfolgt bis zum heutigen Stand. Nur so sind Quoten zwischen Monaten vergleichbar.

  • Mengen je Stufe für die Kohorte und Conversion zwischen den Stufen.
  • Mittlere Verweildauer je Stufe – wo bleibt es hängen?
  • Verlustgründe aus der festen Liste, gezählt, nicht erzählt.
  • Reaktionszeit auf neue Anfragen (Median, nicht Durchschnitt).
  • Eine Hypothese für den Monat, ein Test, eine Kennzahl, an der der Test gemessen wird.

6. Deal-Eskalation und Entscheidungsprotokoll

Eskaliert wird nach Regel, nicht nach Gefühl. Ein Deal geht an die Geschäftsführung, wenn eines zutrifft: Wert über einer definierten Schwelle und Entscheidung in den nächsten 14 Tagen; Kundenwunsch nach Sonderkonditionen; zwei Reviews in Folge ohne neuen Schritt; oder ein Verlust, der einen Bestandskunden betrifft.

Das Entscheidungsprotokoll ist eine Liste, keine Prosa: Datum, Deal, Entscheidung, Verantwortlich, Fälligkeit. Es wird im nächsten Review als Erstes geprüft. Was zweimal nicht erledigt wurde, wird eskaliert – nicht erneut vertagt.

7. Forecast in drei Szenarien

Ein Forecast mit einer Zahl ist eine Wette. Drei Szenarien machen die Annahmen sichtbar:

Sicher
Schriftliche Zusagen und Verträge mit Lieferung im Zeitraum. Keine Wahrscheinlichkeiten.
Erwartet
Sicher plus Deals in der Stufe „Entscheidung“ mit Kundenreaktion in den letzten 14 Tagen und Entscheidungstermin im Zeitraum.
Möglich
Erwartet plus Deals in „Angebot“ mit bestätigtem Budgetrahmen. Alles andere ist Pipeline, kein Forecast.

8. Fünf KPI-Definitionen

Jede Kennzahl hat Zähler, Nenner und Zeitraum. Ohne diese drei Angaben ist eine Zahl nicht vergleichbar – auch nicht mit der eigenen Vorwoche.

KPI-Definitionen (Aktivität und Wirkung getrennt)
KennzahlTypZählerNennerZeitraum
Reaktionszeit auf AnfragenAktivitätStunden bis erste persönliche Reaktion (Median)Alle neuen AnfragenKalenderwoche
Anteil Deals mit terminiertem nächsten SchrittAktivitätOffene Deals mit Datum in der ZukunftAlle offenen DealsStichtag Review
QualifizierungsquoteWirkungAnfragen, die „Bedarf geklärt“ erreicht habenAnfragen der KohorteKohorte eines Monats, gemessen nach 60 Tagen
Abschlussquote (qualifiziert)WirkungGewonnene Deals der KohorteDeals der Kohorte in „Bedarf geklärt“Kohorte eines Monats, gemessen nach 120 Tagen
EntscheidungsdauerWirkungTage von „Angebot“ bis „Gewonnen/Verloren“ (Median)Abgeschlossene DealsQuartal

9. Teamakzeptanz

  • Das Review nimmt niemandem Deals weg. Es hilft, Entscheidungen zu bekommen. Das ist der erste Satz der Einführung.
  • Datenpflege wird belohnt, indem sie Zeit spart: Wer die Mindestdaten pflegt, muss im Review nichts erklären.
  • Keine Kennzahl wird als Ranking zwischen Personen gezeigt. Die Kohorte ist die Einheit, nicht der Mensch.
  • Regeln werden gemeinsam einmal beschlossen und dann drei Monate nicht verhandelt. Danach wird angepasst, was nicht funktioniert hat.

10. Die ersten vier Wochen (Vorschlag)

  1. 01Woche 1: Stufen und Exit-Kriterien festlegen, Mindestdaten definieren, alle offenen Deals einmal durchgehen und Leerstellen füllen oder schließen.
  2. 02Woche 2: Erstes Wochenreview nach Agenda. Nur Punkte 1–3 der Agenda, bewusst kurz. Protokoll anlegen.
  3. 03Woche 3: Volle Agenda. Eskalationsregeln schriftlich festhalten. Verlustgründe-Liste beschließen.
  4. 04Woche 4: Erste Funnel-Review mit der Kohorte des Vormonats. Drei Forecast-Szenarien einmal aufstellen. Eine Hypothese für den nächsten Monat notieren.

Die downloadbare Agenda unten enthält die Wochenroutine als Markdown-Datei, die du direkt in dein Notiz- oder Meeting-Tool übernehmen kannst.

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